Aktuelles aus der psychotherapeutischen Versorgung
Zu April 2026 haben die gesetzlichen Krankenkassen die Vergütung für psychotherapeutische Leistungen pauschal gekürzt. Dies geschah, obwohl schon jetzt viele Menschen lange auf einen Therapieplatz warten müssen. Anstatt die psychotherapeutische Versorgung auszuweiten, wurde sie abgewertet.
Des Weiteren hat die Bundesregierung ein "Sparprogramm" für Gesundheit beschlossen, welches sich in Wirklichkeit als Kürzungsprogramm darstellt. Besonders massiv kürzt sie bei der psychotherapeutischen und ärztlichen Versorgung durch die Praxen - und damit direkt bei Ihnen als Kassenpatient:in. Unsere Arbeit als Kassenpsychotherapeut:innen und Kassenärzt:innen wird schon heute nicht voll bezahlt. Jetzt sollen Behandlungen budgetiert/"gedeckelt" werden. Das heißt, dass die gesetzlichen Krankenkassen nur eine begrenzte Menge an Leistungen finanzieren. Was darüber hinaus in den Praxen geleistet wird, wird nicht bezahlt. Werden wie angekündigt Milliarden Euro für Kassenpatient:innen gekürzt, können Kassenpraxen - auch meine Praxis - nicht einfach weitermachen wie bisher. Stattdessen müssen sie ihr Angebot umstellen, um langfristig die Versorgung stemmen zu können. Konkret können wir Kassenpsychotherapeut:innen und Kassenärzt:innen deutschlandweit ab 2027 für Sie als Kassenpatient:innen voraussichtlich 46 Millionen Behandlungen, darunter rund 240.000 Psychotherapieplätze, weniger anbieten, einfach weil sie nicht mehr bezahlt werden. Das sog. Beitragsstabilisierungsgesetz ist ein Versorgungs-Kürzungs-Gesetz!
Darüber hinaus wurde für Psychotherapeut:innen auch noch der gesetzliche Schutz des Mindesthonorars gestrichen. Damit werden Vergütungen auf ein Niveau gedrückt, welches die Existenz psychotherapeutischer Praxen verunmöglicht.
Für gesetzlich Versicherte bedeutet dies eine massive Verschlechterung der Versorgung! Psychotherapeut:innen warnen vor einem Kollaps der ambulanten Psychotherapie in der gesetzlichen Krankenversicherung!
Clip (von Jana Husemann in Kooperation mit Mareike Eckert): Nicht kürzen. Zuhören.
Was Sie tun können
• Sie haben einen gesetzlichen Anspruch auf psychotherapeutische Behandlung. Wenden Sie sich direkt an Ihre Krankenkasse und fordern Sie diese ein. Die Krankenkasse ist verpflichtet, Sie bei der Vermittlung zu unterstützen. Sollte dies nicht gelingen, informieren Sie sich über das Kostenerstattungsverfahren.
• Sie finden keinen Therapieplatz? Schildern Sie Ihre Suche freundlich und sachlich der Kreisstelle der Kassenärztlichen Vereinigung des Kreises Kleve
• Informieren Sie sich: Warum Psychotherapieplätze fehlen - Information für gesetzlich Versicherte, die einen Psychotherapieplatz suchen
• Informieren Sie sich und/oder machen Sie auf die Situation aufmerksam: #jetztwirdeslaut, #psychotherapieretten, #wirhelfenihrkürzt
• Sprechen Sie mit Freund:innen, Familie und Kolleg:innen darüber.
Offene Briefe & Petitionen
• April 2026: Offener Brief der Psychotherapeut:innen in Deutschland an die Bundesministerin für Gesundheit Nina Warken
• Offener Brief an das Bundesministerium für Gesundheit (Mitzeichnungsfrist war bis 24.04.2026): Zur „Kalten Reform“ der Psychotherapie
• Petition an den Deutschen Bundestag (Mitzeichnungsfrist war bis 09.06.2026): Sicherstellung der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung durch angemessene Vergütung (Petition 196912)
• Brief an Bundestagsabgeordnete (Mitzeichnungsfrist war bis 10.07.2026): Der Todesstoß - CDU/CSU und SPD entziehen Psychotherapiepraxen die Existenzgrundlage - Und brechen fundamentale Gesellschaftsverträge
• Juli 2026: Offener Brief an den Bundestagsabgeordneten des Kreises Kleve von den Psychotherapeut:innen des Kreises Kleve
Medienberichte zur Versorgungskrise in der ambulanten Psychotherapie
Couch & Agora (seit Okt. 2025): Die Lage der ambulanten Psychotherapie
Podcast
• Hotel Matze (27.05.2026): Psychotherapeutin Dr. Christina Jochim - Ist Psychotherapie bald Luxus?
• Psychologie to go! (03.06.2026): Die psychotherapeutische Versorgung in der Krise
Podcast Rätsel des Unbewussten
• (13.03.2026): Warum PsychotherapeutInnen gerade wütend sind - und alle es sein sollte
• (10.04.2026): Was es uns kostet, an Psychotherapie zu "sparen"
• (14.06.2026): Regierung stößt Psychotherapie in den Abgrund. Wie es jetzt mit den Behandlungen weitergeht
Podcast HocherFreud
• (20.03.2026): Wenn Psychotherapeuten kämpfen
• (17.07.2026): Psychotherapie ab 2027
Video
• Instagram (stern, 30.03.2026): "Man könnte meinen, psychische Gesundheit ist Deutschland egal"
• Instagram (die.neue.welle, 12.07.2026): 10.372 schwarze Luftballons für 10.372 Suizide in 2024
• NDR (07.2026): Geld für Psychotherapien soll gekürzt werden
Artikel
• Deutsches Ärzteblatt (13.03.2026): Absenkung der psychotherapeutischen Honorare stößt auf massive Proteste
• Sonntagsblatt (23.03.2026): Psychotherapie im Dauerstress: Was die Honorarkürzungen über unser Gesundheitssystem verraten
• Bundespsychotherapeutenkammer (09.04.2026): BPtK kritisiert Desinformationskampagne des GKV-Spitzenverbandes
• Der Westen (30.04.2026): Therapie-Not für Kinder! Psychotherapeut aus NRW packt aus: „Es geht um Leben und Tod“
• Brigitte (15.05.2026): Psychotherapie: "Ich bin kurz davor, hinzuschmeißen"
• Krautreporter (09.06.2026): 300 Menschen haben uns gesagt, wie Psychotherapie ihr Leben veränderte
• freundin (14.07.2026): Kürzungen in der Psychotherapie: So schwerwiegend sind die Auswirkungen
IDA Health
• (13.05.2026): Die Honorarkürzung ist ein Symptom – die Diagnose lautet: strukturelle Unterfinanzierung psychischer Gesundheitsversorgung
• (31.05.2026): Verschuldet, unterbezahlt, jetzt auch noch gekürzt: Warum die Honorarkürzungen eine ganze Generation Therapeuten zerstören
Zur Ausbildungskrise bei Psychotherapeut:innen
• Hessenschau (28.10.2024): Psychotherapeuten hängen in der Ausbildung fest
• Instagram (Brigitte, 19.05.2026): "Ich will nicht in einem System arbeiten, das mich dafür bestraft, dass ich das will"
Zur nötigen Reform der Bedarfsplanung in der psychotherapeutischen Versorgung
• Bundespsychotherapeutenkammer (Nov. 2016): Kurswechsel in der Bedarfsplanung
• Deutschlandfunk Kultur (08.02.2021): Streit um Kassensitze - Ärger für angehende Psychotherapeuten
Zum Zugriff auf Patientendaten in der psychotherapeutischen Versorgung
• Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (05.11.2024): Stellungnahme des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) zur elektronischen Patientenakte: ePA für alle
• Deutschlandfunk (01.10.2025): Elektronische Patientenakte - Darum warnen Verbraucherschützer vor der ePA
• Deutsche PsychotherapeutenVereinigung (01.01.2026): Die „ePA für alle“ in der Psychotherapiepraxis
• Frankfurter Rundschau (01.07.2026): Wer schweigt, stimmt zu: Betriebsärzte sollen bald die komplette Patientenakte einsehen dürfen